ERFAHRUNGSBERICHT – FLÜCHTLINGSHILFE!

Es ist auf den Tag genau ein Monat her, als ich meinen ersten Erfahrungsbericht in einem spontanen Schreibeflash runter geschrieben und online gestellt habe. Dieser diente damals als persönliches Ventil, um die rasanten Ereignisse zu verarbeiten und zumindest ein paar Menschen in meinem Netzwerk zu motivieren selber aktiv zu werden! Was allerdings in den letzten 4 Wochen passiert ist in Sachen Nächstenliebe, Menschlichkeit und Empathie hat meine kühnsten Vorstellungen übertroffen.

Fast jeder in meinem engeren Freundes- und Bekanntenkreis ist in irgendeiner Form aktiv geworden seither. Sei es zu spenden, für Flüchtlinge einzukaufen, selber nach Traiskirchen zufahren, im Spendendepot von HAPPY.THANKYOU.MOREPLEASE!! in der Berggasse 29 zu helfen, am Westbahnhof ein Warm Welcome zu verbreiten, oder sogar nach Ungarn zu fahren. Wahnsinn! Ich bin so stolz auf Euch!

Und genau das, was in meinem Mikrokosmos passiert ist, war im großen Rahmen auch beim Großteil der Bevölkerung in Österreich und Deutschland klar zu erkennen.

22.000 Demonstranten bei der Groß Demo vor dem Parlament, unzählige Helfer bei den Bahnhöfen, die sich privat so gut organsiert haben, dass es gar nicht mehr dem Eingriff von großen Organisationen bedurfte und täglich steigerndes Interesse nicht nur darüber zu reden, sondern zu agieren. Selber zu agieren.

In fast allen Bereichen haben die Menschen Initiativen ergriffen, andere damit motiviert und somit ein Schneeballsystem ausgelöst. Berührungsängste sind gefallen und der natürliche, menschliche Instinkt gewachsen dem, der gerade in der Not ist, zur Seite zu stehen.

Trotzdem möchte ich noch mal auf die Pioniere wie Sophie (ADOPT A WISH), Renate, Lara, Alina, Bella, Vicky, Osi, Almuth, Rene (HAPPY. THANK YOU. MORE PLEASE!) Peter, usw. hinweisen, die nach wie vor täglich stundenlang wahre Heldentaten vollbringen und sich schon längst zusätzlichen neuen Projekten widmen: Sei es Flüchtlingen ein eigenes Zuhause zu schaffen, neue, schnellere und effizientere Lösungen zu finden und an einer nachhaltigen Integration zu arbeiten! Ganz toll, ganz groß!

Mein persönliches Highlight war die DISH TENNIS Action, die wir mit 60 (großteils afghanischen) Flüchtlingen in Klosterneuburg hatten mit dem „Caritas KOMPA Projekt“. Die Menschen waren so dankbar für den familiären Nachmittag und für die Sachspenden von Nike (danke Fabian Schenk dafür). Das Lächeln eines Kindes, welches zuvor wahrscheinlich noch nicht mal einen Tischtennistisch gesehen hatte, ist wohl die reinste und ehrlichste Bestätigung, die man bekommen kann. Und unzählige weitere Veranstaltungen und Bewegungen sind wie Pilze aus der Erde geschossen. Großartig!

Trotzdem müssen wir uns darüber bewusst sein, dass wir wohl leider erst die Spitze des Eisbergs gesehen haben. Nach dem die ärgste Krise hierzulande überwunden wurde, geht es nur wenige Kilometer weiter in Ungarn und Serbien böse zur Sache. Und weil dort die Politik noch kläglicher als bei uns scheitert und der Wille der Zivilbevölkerung noch sehr gebremst ist, sind wir aufgerufen über die Grenzen hinweg zu schauen und auch dort zu helfen. Es gibt bereits viele offizielle und private Initiativen, die dort hinfahren um vor Ort zu helfen. Vorgemacht haben es z.B. Anahinta und Mahsa von „Flucht nach Vorn“, die vor wenigen Tagen die Flüchtlinge aus Ungarn kommend zu Fuß nach Österreich begleitet haben! Engel auf Erden fällt mir dazu nur ein!

Genau wie Lara, die sich neben der Leitung des Spendendepots in der Berggasse auch noch den heftigen, bürokratischen Hürden für 2 Flüchtlinge aus der eigenen Familie gestellt hatte. Mässig lustig um 7 Uhr früh mit der Baadener Bahn nach Traiskirchen rauszufahren, um sich dann stundenlang mit unfähigen Beamten rumzuschlagen und dann noch bis Abends im Spendendepot mitanzupacken und 100 Fragen in einer Minute zu beantworten! Love.

Ich habe einige Menschen kennengelernt, die mittlerweile ihre gesamte Freizeit investieren und teilweise Ihre beruflichen Tätigkeiten (und damit eigenes Geld zum Leben) reduzieren, um sich dem Flüchtlingsthema zu widmen. Ich weiß gar nicht, wie sehr ich meinen Respekt vor ihnen ausdrücken soll!

Fazit des Ganzen: Wir sind am guten Weg, aber müssen so und noch besser weitermachen, da noch sehr, sehr viel Flüchtlinge kommen werden. Ich hoffe ich kann in einem Monat wieder so viel Positives schreiben und schicke Euch Allen viel Energie! Wir schaffen das. Gemeinsam.

Danke fürs Lesen!

08.09.2015 – Florian Plüer