Urlaub und Erfahrung zugleich.

Es fängt tchon mit der Anreise an. Nachdem letztes Jahr tausende Flüchtlinge den Weg von der Türkei nach Chios gewagt hatten, ist der Tourismus auf der Insel eingebrochen. Es gibt keine Direktflüge mehr, wir müssen über die Türkei anreisen. Chios war nie eine Insel mit vielen Touristen aus Mitteleuropa, aber jetzt kommen fast gar keine mehr an. Häuser und einige Geschäftslokale stehen leer, als Begründung sagen einem die Einheimischen, dass die Krise des letzten Jahres dazu geführt hat. Touristen wollen keine Flüchtlingsdramen sehen. Müssten sie im Moment auch nicht, wer sie nicht sucht trifft sie nicht, die Geflüchteten und hier gestrandeten Menschen.

In den Lagern hier leben die Flüchtlinge in einer Warteschleife, werden irgendwann nach Athen gebracht, ohne zu wissen was dann passiert.
Antonis und Stefanos, beide sind Teil der Chios Solidarity, zeigen mir ein kleines Camp namens Dipethe mitten in Chios Stadt, improvisiert, bestehend aus Zelten und Sonnensegeln und ein paar gemauerten Räumlichkeiten, wohl ein alter Lagerraum. Essen gibt es von einer privaten Gruppe, sie kochen seit Beginn der Krise schon abertausende Mahlzeiten. Das Camp ist sauber, viele Kinder sind hier. Chios Solidarity und ein paar Volunteers aus der ganzen Welt helfen hier.

  • Die Aktivitäten der Chios Solidarity...

Spiel, Musik, Tanz und Gespräche machen den Alltag erträglicher. Es gibt auch keine Gewalt im Camp, sagt mir Stefans. Aber wenn der Regen beginnt, ist Schluss hier.  Wohin mit den vielen Menschen? Keiner weiß es. Es leben ausschließlich Syrer hier. Geflüchtet vor Krieg. Einem positiven Asylbescheid stünde eigentlich nichts im Wege, wären sie in Mitteleuropa und nicht hier auf Chios. Und welche legale Möglichkeit hätten sie gehabt nach Europa zu kommen? Hungernd auf der türkischen Seite.

Letztes Jahr, vor dem Schluss der Balkanroute, vor dem Deal mit der Türkei, da spielten sich unglaubliche Szenen ab. Jede Nacht kamen die Boote, in einer Nacht waren es einmal fast 2000 Menschen, im Jänner bei 5 Grad. Völlig alleine hatte die Bevölkerung für die Leute gesorgt.
Man mag jetzt meinen, eh gut, jetzt riskieren die Menschen nicht mehr ihr Leben und in Chios kann sich die Situation wieder verbessern.

Dafür sind die Abertausenden jetzt „drüben“ in der Türkei, in aus sich selbst entstandenen Camps, ohne Versorgung. Ist Perspektivenlosigkeit steigerbar?

Wären nicht wenige private Hilfsorganisationen wie z.B. BalkanrouteStuttgart, die Menschen hätten gar keine Hilfe. Die Situation dort ist unbeschreiblich, ich hatte die Gelegenheit, darüber mit Serkan, dem Initiator der Hilfsorganisation, zu sprechen. Und es hat mich bewegt, euch davon zu erzählen, damit wir diese Gruppe unterstützen! Aus logistischen Gründen ist es kostengünstiger, die nötigen Dinge vor Ort zu kaufen, deshalb sind Geldspenden nötig, der Transport von Sachspenden kann in diesem nötigen Ausmaß nicht getätigt werden.

In ein paar Tagen gehts wieder nach Wien, beschenkt mit den Eindrücken dieser wundervollen Insel, überwältigt von der Herzlichkeit der Griechen und bereichert durch das Kennenlernen solch wunderbarer Menschen, danke Antonis Vorrias , Stefanos Xampas , Serkan Eren und Ioa aus Stuttgard, Toula-Pothiti Kitromilidi eine lokale Koordinatorinich von CESRT, Beth aus California, Silvia aus Spanien…..
Und Danke an Margarita und Tassos, unsere Vermieter, die die Probleme durch die Krise sehen und erleben, aber mit Herz und lächelnd sagen, was kann man anderes tun als für die geflüchteten Menschen da zu sein.

Brigitte Grieshofer, Koordinatorin des Spendendepots aus Chios,  August 2016.

Weitere Informationen zur Initiative BalkanrouteStuttgart findet ihr hier.